Pflasterkinder

This pain will be useful

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Die Luft ist mit Erinnerungen vergiftet. Sie hängen in der Luft wie ein schweres Parfum und haften genauso bitter auf meiner Zunge. Ich kann nicht atmen taumele und falle hin, aber ich klebe mir Pflaster auf die aufgeschürften Knie und laufe weiter.
Für meine Träume scheint jeder Tag zu kurz und mein Körper viel zu schwach für den nur kürzesten Tag. Als Kind habe ich so oft gespielt, dass ich sterbe und jetzt versuche ich zu spielen, dass ich lebe.
Ich habe den Tod in unzähligen Filmen und Serien gesehen, aber wenn du ihn das erste mal flüchtig in einem anderen Menschen siehst, bevor er ihn dir wegnimmt, dann hast du ein paar dringende Fragen an ihn. Obwohl ein Kennenlernen mit dem Tod das wohl letzte ist was man tut, habe ich mir beizeiten nichts sehnlicher herbei gewünscht, als ein Treffen mit ihm. Ich habe in allen Tönen nach ihm gerufen, welche die Hysterie kennt. Habe so laut gefleht, wie meine Erinnerungen stark sind. Und so sehr aufbegehrt, dass meine Lunge drohte zu bersten. Genau wie jetzt.
Aber irgendwann steht er persönlich vor dir und du fragst dich auf einmal, wie man ihn spielen konnte, wo man doch so gar keine Ahnung davon hat, wer er eigentlich ist. Man trifft ihn schließlich zuletzt und keiner der je mit ihm gesprochen hat, kehrt zurück um dir von ihm zu erzählen. Aber ich glaube, dass er mir heute – an einem sehr, sehr langen Tag – geantwortet hat, bevor ich wieder Luft bekam.
„Für manche Träume reicht das Leben nicht aus, aber es gibt noch andere Wege für dich, Pflasterkind.“

Oldschool Drache

Das hier ist mein erstes großes Motiv, das ich stechen durfte. Es ist ein Oldschool Drache, ich habe das erste mal mit einer Elektromaschine gearbeitet und ich habe 4,5 Stunden dafür gebraucht. Wir haben ohne Pause durchgearbeitet. Alle sind zufrieden und ich darf in zwei Wochen noch einen Drachen bei dem Kunden machen.
Eigentlich bin ich auch zufrieden, auch wenn nicht alles so geklappt hat wie ich wollte. Mir sind Fehler passiert, aber es war nichts dabei wo man denkt: WOW, Scheiße, wie kriegst du das jetzt wieder hin.
Es war das erste große Motiv auf Haut, ich sollte fürs erste zufrieden sein… 🙂

Das hier bedeutet mir gerade sehr viel. Ich hatte nämlich lange das Gefühl, dass ich nicht voran komme und dass ich mich nicht verbessere, ich hatte mich sogar gefragt, ob ich es überhaupt schaffen werde, jemals ein halbwegs gutes Motiv auf Haut zu bringen, nachdem ich letztens bei einem Kunden richtig Mist gebaut hatte. Jetzt fühle ich mich ein bisschen besser, weil ich eigentlich nicht gedacht hätte, dass ich jemals überhaupt hier hin komme. Es bedeutet mir sehr viel, dass ich das machen durfte (es ist eine Hoffmann Vorlage, also eine richtig klassisch Oldschoolvorlage und darauf hatte ich auch echt Lust) und dass ich das überhaupt an einem Tag geschafft habe. Der Kunde ist um 17 Uhr gekommen, dann musste ich natürlich noch was verändern, in den seltensten Fällen schafft man rechtzeitig anzufangen, und ehe ich die Nadel in der Hand hatte, war es 18 Uhr. Als ich das nächste Mal auf die Uhr sah war es plötzlich halb zehn und ich war noch nicht annähernd fertig. Die Zeit verfliegt wie nichts wenn man dabei ist und ich bin merkwürdigerweise völlig fertig, aber ich fühle mich dabei gut. Es ist ein guter Stress. So wie wenn man als kleines Kind Geburtstag feiert, ein Dutzend Freunde zu Besuch hat, den ganzen Tag gespielt hat und Geschenke ausgepackt hat, und Abends völlig alle ins Bett fällt. So in etwa fühle ich mich, es ist großartig! Ich hatte vergessen, wie guter Stress sich anfühlt, dass es ihn überhaupt gibt.

Gute Nacht.

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Pfützensorgen

Gedanken umarmen dich. Bewegungen werden Tänze und Augenblicke zu einem Strahl der Zuversicht in der Sonne deiner besten Zeit. Möglichkeit funkeln auf der Oberfläche längst gefallener Regentropfen, sie zwinkern dir zu, bevor die Sonne sie sich zu eigen macht. Die Sorgen vergehen wie die Pfützen auf dem Asphalt, verschwinden einfach im Angesicht eines warmen Tages, selbst wenn er stürmisch ist.
So stelle ich mir das Glück vor. Das wünsche ich mir. Ein warmer Tag, der meine Tränen auffängt. Eine Sonne, die meine Wolke im Kopf bekämpft. Und mein Herz, das als Stein über Pfützen, Seen und Meere springt – nur weil es schwer ist, muss es nicht sinken. Nur weil es ein Stein ist, muss es nicht fallen.

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Eingefrorener Sturm

Mein Körper fühlt sich alt an, es fällt mir schwer, ihm die simpelsten Aktivitäten zuzumuten. Wie Aufstehen zum Beispiel. Oder Duschen gehen. Mein Kopf hingegen ist wach. Meine mentale Energie fühlt sich so endlos an, dass mein Kopf ohne Unterlass zu kribbeln scheint. Meine Psyche gleicht schwarzem Konfetti, das unaufhörlich durch meine Gehirnwindungen streut, wie eine finstere Wolke über einem jungen Sturm. Sie kitzelt die Innenseiten meines Schädels und lässt mein Herz durch das tiefe Loch in der Mitte fallen.
Ich bin der Sturm. Und mein Herz ist so schwer wie ein Stein, der durch das Auge eines Tornados fällt.
Genau das ist mein Leben, ein eingefrorener Tornado. Und das hier, dieser Text, ist nur eine weiterer erstarrter Staubteufel über einem unbedeutenden Notizbuch.

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Kalte Decken

Ich habe mehr Angst vor dem Leben, als vor dem Tod. Ich habe Angst vor der Unendlichkeit des Universums und vor dem Ende eines jeden Buches. Ich habe keine Angst was zu verpassen, aber vor meiner eigenen Unproduktivität, selbst wenn ich kreativ bin, muss das in einem Multitaskingakt geschehen. Ich habe Angst vor Herzen, die schwarze Löcher sind und den Herrschaften meiner eigenen Dystopien. Ich binde mich an Gegenstände, ja ich weine sogar jedes mal meiner Lieblingstasse nach wenn sie für einen Tag in der Spüle bei den anderen dreckigen Sachen verschwindet, aber ich habe Angst davor, einem Menschen auch nur annähernd so viel Zuneigung zuteil werden zu lassen. Ich habe Angst vor Einsamkeit, aber noch viel mehr vor Abweisung, deswegen bin ich gerne alleine. Man muss sich seinen Ängsten stellen. Und ich bin mutig, ich lasse mich seit Jahren von Einsamkeit umhüllen, aber unter ihrer Decke wurde es zu keinem Zeitpunkt auch nur ein bisschen wärmer. Kein bisschen…

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Nachtschattengewächse

Ich habe gelernt, dir in die Augen zu gucken, ich habe gelernt, zu lieben. Irgendwie. – Klammergriffe

Was wäre ein Mensch ohne Gefühle? Sie machen uns aus. Und wenn wir vorher geleuchtet haben, dann bringen sie uns ins Dunkel. Sie löschen uns aus wenn wir gebrannt haben. Eigentlich weiß ich nicht mal ob ich gebrannt habe, ich weiß es nur, weil ich die Spiegelung der lodernden Flammen in deinen Augen gesehen habe. Nur wegen dir weiß ich was Liebe ist, aber deswegen bist du nicht Schuld an meiner Dunkelheit. Der Grund dafür ist mein Menschsein. Ich sollte dir auf ewig dafür dankbar sein, dass ich so viel Liebe in deinen Augen sehen durfte. Ich sollte dem Leben auf Knien dafür danken, dass ich die Gezeiten der Gefühle in mir aufgehen und untergehn spüren darf. Aber ich danke euch nicht. Nicht dir und nicht dem Leben. Wenn ich nicht in der nächsten Flut bitteren Wassers ertrinke, dann werden mir die Nachtschattengewächse bei der nächsten Ebbe den Magen verknoten, die seither in mir wachsen.

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