Ich habe einen Schlüssel!

schlussel

Ich freue mich gerade total. Heute habe ich ganz unerwartet einen Schlüssel fürs Studio in die Hand gedrückt bekommen! Ich habe mich richtig gefreut. Einmal, weil es eine große Ehre ist und auch ein Vertrauensbeweis und zum anderen, weil ich jetzt endlich nicht mehr draußen frieren muss, wenn ich früher als mein Chef da bin. Ich glaube er ist auch ganz froh wenn ich einen Schlüssel habe. So muss der Laden nicht immer zu bleiben, nur weil er mal später kommt, oder sonst was.
Das Problem ist nur, dass ich noch keine Haftpflichtversicherung habe. Kommt aber noch. In 1-2 Monaten soll ich mir einen Gewerbeschein holen und dann lege ich richtig los. Ich freue mich total, aber… ich habe gerade auch noch sehr Angst. Ich hatte lange keinen Kunden mehr und auch so nicht auf Kunsthaut geübt. Das liegt daran, dass Weihnachten und Silvester war und die Kunsthaut überall ausverkauft war… (Ist das zu fassen?)
Ich fühle mich ein wenig aus der Übung, mit meiner eigenen Maschine habe ich erst ein Tattoo gestochen und ich habe das Gefühl, dass ich mich noch an sie gewöhnen muss. Die ist viel härter als die andere, mit der ich immer tätowiert hatte. Es ist eine Liner, die sind für gewöhnlich auch viel härter.

Auf der anderen Seite: ich weiß, dass ich eigentlich langsam bereit bin. Ich brauche nur endlich mehr praktische Erfahrung, das muss jetzt echt langsam losgehen. Ich weiß eigentlich alles. Ich weiß alles über die Haut. Wann ich nicht tätowieren darf. Die Pflege eines Tattoos. Zeichnen. Das Ziel ist natürlich, dass ich selber zu meinen (Neu=)Kunden gehen kann, berate, Termine mache, Vorlagen zeichne, und dann tätowiere. Also alles ganz eigenständig. Das kommt natürlich alles mit der Routine…

Ich weiß den Ablauf. Ich kann eine Spulenmaschine eigenständig auseinander und wieder zusammenbauen. Ich weiß, dass ich bereit bin, aber das wichtigste fehlt mir eben. Die praktische Erfahrung am Kunden und davor habe ich auch echt am meisten Respekt und auch Angst, egal wie sehr ich mich freue. Ich habe Angst, dass es am Ende doch daran scheitern wird, dass ich einfach nicht gut genug bin. Dass ich einfach nicht gut tätowieren kann. Denn gut sind meine ersten Tattoos keineswegs, sie sehen aus wie von einem Neuling. Es geht zwar auch schlimmer, aber dennoch sieht man, dass da jemand noch nicht ganz so oft eine Maschine in der Hand gehabt hat. Ich kann aber leider nur durch mehr Tattoos besser werden. So ist das leider. Und ich zweifele immer sehr stark an mir was diesen Punkt betrifft, obwohl mein Chef mir erst letztens vor einem Kunden gesagt hat, dass ich Talent hätte. Aber das muss er ja auch selber denken, sonst wäre ich nicht hier. Er würde nicht so viel Arbeit in mich stecken, mir Equipment kaufen, seinen Laden erweitern, (ein eigener Tätowierstuhl und so musste erst für mich besorgt werden.) und mir auch keinen Schlüssel geben. Ich lasse mich trotzdem schnell verunsichern.

Ich bin auch noch sehr unsicher im Umgang mit Kunden. Ich weiß relativ viel, aber die meisten wollen entweder gleich zum Chef, weil sie eine Frage an ihn haben, oder sie wollen Termine machen und die Beratung sollte dann auch eher der Chef machen, weil ich auch keine Termine stellvertretend für ihn machen kann. Ich führe nur manchmal Smalltalk oder ich berate hier und da ein wenig wenn ein Kunde am Telefon ist und eine Frage hat. Aber sonst habe ich auch noch nicht viel so mit Kunden gemacht. Ich habe echt Angst vor dem „Erfahrungen sammeln.“ Da wird bestimmt einiges in die Hose gehen. Das muss vielleicht auch so sein, weil man dadurch lernt, aber ich hätte es doch so gerne perfekt und problemlos von Anfang an.

I am a broken record

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TGIF. Not. Ich spiele das Ende vom Lied solange, bis es sich wieder wie ein Versprechen anhört. Ich nage am Hungertuch, werfe es mir über und verkleide mich als Geist. Jetzt bin ich eines der Monster, die mich umgeben. Ich rede mir ein, dass sie nur als Schatten blattloser Bäume existieren, aber ich höre ihre Klagelaute selbst dann noch, wenn alle meine Sinne betäubt sind.
Das gute am Kind sein ist, dass man sich nur die Hände vor die Augen halten muss, damit man nichts mehr sieht und auch nicht mehr gesehen wird. Als Erwachsener gestaltet sich das schon etwas schwieriger und ich glaube eigentlich, dass wir, wenn wir heranwachsen, aus eben diesem Grunde oft selbst zu Biestern werden. Wenn man hier überleben will, dann muss man untertauchen und ein Teil der Kreaturen werden. Erwachsene können nicht mehr so leicht verschwinden. Uns fehlt ein Geheimversteck im Gebüsch hinter der Turnhalle, wir sind zu groß, um unter einem Wäschekorb Unterschlupf zu finden und wir haben alle die Geschichten vergessen, in denen wir so klein gegen das Böse kämpften und ganz groß siegten.

Heute ist Freitag der 13. mal wieder. Und ich habe 513 Follower. Ich bin heute ein Zauberlehrling und ich kämpfe gegen das Böse, so werde ich den Tag überstehen. Mit 11 Jahren bist du gegangen, Papa, und mit 11 Jahren kommt man nach Hogwarts. In dem Alter hörte ich auch das erste Mal den Stein der Weisen als Hörbuch. Ich bin ein riesen Harry Potter Fan, aber ich wage es nicht zu sagen, dass ich der größte bin. Was ich jedoch auf jeden Fall weiß ist, dass sich niemand so sehr wie ich gewünscht hat, in diese Welt zu verschwinden.

Das Ende vom Lied ist, es gibt keine Zauberwelt für mich, weil ich erwachsen bin, oder Hogwarts mich einfach nicht haben will. Und du bist weg. On repeat again. Es gibt keine Zauberwelt für mich und du bist weg. Es gibt keine Zauberwelt für mich und du bist weg. Es gibt keine Zauberwelt und… ~ nanana I am a broken record.

Schlechter Tag?

Hattest du heute einen schlechten Tag? Kopf hoch, es kann nur besser werden.

Eben habe ich mich in eine dunkle 34er Jeans gequetscht, weil meine einzige dunkle 36er Jeans gestern gerissen ist. Ihr erkennt vielleicht die Gefahr, die es mit sich bringt, heute damit raus zugehen. (Abgesehen von Schnappatmung und Kompressionsstrumpfhosengefühlen.) Das war, nachdem ich beim Frauenarzt war, weil ich mir durch eine Antibiotikaeinnahme wohl irgendwas eingefangen habe, keinen Termin bekommen habe, und auf gut Glück was dagegen in der Apotheke holen musste – bei einem recht gut aussehendem Mann meines Alters. Am anderen Tresen war zwar auch eine junge Dame, aber ich stand schon bei ihm und wenn ich einfach den Tresen gewechselt hätte, hätte er ja trotzdem gehört was ich brauche und gewusst, dass ich deswegen weggegangen wäre. So viel hatte mir das zwar nicht ausgemacht, weil mir in meinem Leben nun echt schon schlimmere Sachen passiert sind, als solche blöden Alltagssituationen, aber es sorgt natürlich dafür, dass ich super gelaunt in den Tag starte. Nicht. Beim Umziehen entdeckte ich noch eine neue Krampfader.

Ich gehe gleich zum Friseur. Habe gehört das hilft. Nein echt, irgendwie muss man doch entgegenwirken. Friseur ist eine gute Entgegenwirkung, das bringt meinen Selbsthass wieder ins Gleichgewicht; für die Krampfader muss jetzt einfach eine positive Veränderung her, dann passt das.

Wer Ü30 ist und sich alt fühlt, dem möchte ich noch sagen, dass ich mit 21 meine ersten grauen Haare bekommen habe, sie sind nicht grau, sondern silber und stechen heraus und ich mit 18 meine erste Thrombose hatte. Wenn du irgendwas davon mit 30 bekommst, bitte fühle dich nicht alt.

Und jetzt mache ich meine gute-Laune Playlist an und gehe zur Arbeit, sofern ich das mit einem eingeschlafenem rechten Bein schaffe.